Hier könnt ihr mir beim Arbeiten zusehen…

Das Wesen des Menschen ist...

Nach langer Blog-abstinenz möchte ich euch doch mal wieder etwas erzählen, und zwar zu meinem Studium... oder nein mehr zum Wesen des Menschen.

Stellt euch vor, ihr sitzt in einer Vorlesung mit etwa 220-230 anderen Menschen in „Reih und Glied“, so wie das eben in großen Hörsäälen so ist.

Vorn steht der Professor (übrigens Jahrgang 1944) und erzählt... bis – ja bis die ersten üblichen „Zuspätkommer“ in die Vorlesung herein platzen.


Eigentlich nichts ungewöhnlich, wenn man doch im Volksmund eh schon von der „akademischen Viertelstunde“ spricht, aber nicht für diesen Herren – der wohl noch sehr viel Wert auf Anstand, Pünktlichkeit und Ettikette legt.


Mehr Scherzhaft, ein wenig lachend, doch mit dem Wunsch in den Augen das ewige Zuspätkommen abzustellen schlug er vor, die Zuspätkommer sollten doch singen – zumindest doch, die die als nächstes kommen würden.


Das, ist zwar schon irritierend, aber nicht wirklich erschreckend... Immerhin kann man es immer noch als Scherz ansehen...


Zu ihrem Unglück platzen wenige Sekunden später die nächsten Studierenden in den Saal, woraufhin die Studierenden vom Professor aufgefordert wurden doch durchzusetzen, dass sie singen.


Kluger Schachzug: Immerhin kann er die Studierenden nicht dazu zwingen.

Das wäre ja auch ein Skandal, und kein Professor dieser Welt, der es geschafft hat einen akademischen Abschluss zu erringen würde sich dem aussetzen.


Die Gesetze von 1949 (DDR) und 1973 (Westdeutschland) und 1980 (Bayern) verbieten es nämlich Gott sei Dank Schüler, wenn auch gleich in diesem Fall Studierende zu züchtigen.

Damit wurde neben der Prügelstrafe auch abgeschafft Eselskappen zu tragen, die Arme vorraus in der Klasse zu stehen bis sie müde werden, und auch beschämende Handlungen in der Front der Klasse auszuführen (In diesem Falle singen?!).


Wie schon erwähnt, hatte er das natürlich auch längst mitbekommen, auch wenn man nicht weiß ob es mit einem lachenden oder weinenden Auge hingenommen wurde.


Und wenn es einem Mann in diesem Alter als nur rechtens vorkommen würde, würde es mich immer noch nicht so schockieren wie ein Saal mit 220 Studierenden die auf die Tische trommeln und „singen...Singen... SINGEN“ „SINGEN!!“ rufen.


Mein erster Gedanke: „Leute? Was tut ihr da?! Seid ihr verrückt?! Ihr könnt doch nicht..“


Mein Zweiter: „LASST MICH HIER RAUS!!!“


Unabhängig von der Einstellung zu Pünktlichkeit, Anstand und Ettikette kann es doch nicht sein das menschliche Individuen dazu aufgefordert werden sich vor einer Menschenmasse öffentlich zu demütigen?


Unabhängig davon das es mir auf den Geist geht, ständig für Zuspätkommer aufstehen zu müssen, um sie in die Reihe zu lassen – kann es doch nicht sein das man auf Mittelalterliche Methoden zurück greift?


Singen – mag nicht schlimm klingen, es ist peinlich, und ja ich bin mir sicher die meisten würden es sich dreimal überlegen ob sie noch eine rauchen bevor sie in die Vorlesung gehen – aber wie geht es weiter?


Der erste muss singen.

Der zweite muss eine Eselskappe tragen.

Der dritte kommt in einen Käfig.

Der vierte an den Pranger.


Beim fünften bekommen alle Rohrstöcke und dürfen zuschlagen?


Früher durfte ein Lehrer bis zu 15 mal zuschlagen, werden wir die 15 besten Studierenden auswählen um die Strafe zu vollziehen?


Es geht mir nicht darum das die Leute singen sollten, sondern einfach um die Aggressivität der Menschen, die sobald sie auch nur die Chance haben sich über jemanden zu erheben/ über jemanden zu bestimmen die Chance ergreifen.


Wer jetzt denkt ich übertreibe, der sollte sich doch einmal folgenden Versuchsbericht anschauen und genauer darüber nachdenken:


Und zwar möchte ich euch das „Milgram-Experiment“ vorstellen.

Es bezieht sich auf die Bereitschaft ganz normaler Menschen, sich einer Autorität zu beugen und offensichtlich „unmenschliche“ Anordnungen zu befolgen.


Im Milgram-Experiment handelte es sich um Stromstöße (Bestrafungen) die von Probanden (als Lehrer) ihren Schülern gegeben werden sollten, wenn sie etwas nicht richtig auswendig gelernt hatten.


Dabei hatten die Lehrer eine Auswahl von 15Volt bis 450 Volt (letzteres würde den Tot des Probanten bedeuten!)


Zitat: „Die große Mehrheit seiner Versuchspersonen, mehr als 62 Prozent, gingen bis zum Ende der Skala (450 Volt)“


Quelle: http://www.stangl-taller.at/TESTEXPERIMENT/experimentbspmilgram.html


Übrigens:

Das Gefühl, verantwortlich für das eigene Handelns zu sein, nimmt auch ab, wenn man sich als Teil einer größeren Maschinerie sieht. Milgram wies dies mit einer weiteren Variante seiner Versuchsparadigmen nach. In dieser Variante des Experiments waren es zwei Lehrer, die einen Schüler unterrichteten. In diesem Fall war der zweite Lehrer die echte Versuchsperson. Ihre Aufgabe war es, die Aufgaben zu verlesen und die Richtigkeit der Antworten zu überprüfen. In einer solchen Konstellation waren es 92,5% der Versuchspersonen, die den anderen Lehrer, also den, der die Elektroschocks ausführte, nicht daran hinderte, die maximalen Stromstöße zu verabreichen.


Und wer weniger Lesen möchte kann sich auch den Film „die Welle“ anschauen, die auf der Kurzgeschichte und dem Experiment „The Third Wave“ basiert.


Mit anderen Worten:


Ich weiß nicht ob es anständig ist zuspät zu kommen,
aber ich weiß das es nicht rechtens ist sich über andere Menschen zu erheben.

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